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Schlagfertigkeit im Job: 7 Tipps für souveränes Verhalten

Schlagfertigkeit… das ist, was einem erst 24 Stunden später einfällt  Mark Twain

Für alles eine treffende Antwort parat haben – womöglich auch noch humorvoll.  Wer wünscht sich das nicht? Leider geht das bei den meisten von uns nicht auf Knopfdruck. Manchen gelingt es häufiger, manchen eher selten. Kann man Schlagfertigkeit lernen? Wie verhalte ich mich souverän, wenn jemand eine abwertende Bemerkung auf meine Kosten fallen lässt? Wie verhalte ich mich bei unfairen Sprüchen? Hier 7 einfache Tipps zur Schlagfertigkeit im beruflichen Alltag.

Der Kollege hat Sie gerade vor versammelter Mannschaft kritisiert. „Frau Block, erst denken, dann handeln.“ Sie sind sprachlos und merken, wie Ihnen die Tränen in die Augen schießen. Sie können keinen klaren Gedanken fassen. Wie schön wäre es, eine schlagfertige Antwort parat zu haben. Doch das fällt Ihnen erst später ein. Zu Hause angekommen machen Sie sich Vorwürfe, dass Sie sich nicht gewehrt haben: „Wie stehe ich jetzt da? Alle haben mitbekommen, dass ich rot geworden bin.“

Wie reagieren wir bei Angriffen?

Wenn wir uns angegriffen fühlen, geraten wir körperlich und emotional in Stress. In diesem Zustand werden in uns Reflexe aktiviert, die in Urzeiten unser Überleben gesichert haben, jedoch heute in vielen Situationen nicht angemessen sind: Kampf, Flucht oder Totstellreflex.

Im Kampfmodus kontern wir schlagfertig zurück. Dabei besteht die Gefahr, dass wir überreagieren und den anderen verletzen. Durch diese Art von Schlagfertigkeit können sich Konflikte verschärfen. Sie macht Sinn, wenn klar ist, dass der andere uns bewusst beleidigen oder lächerlich machen wollte – was häufig nicht eindeutig ist. Manchen rutscht nur etwas Doofes heraus, ohne dass sie es selber merken oder wir reagieren übersensibel.

Im Fluchtmodus fangen wir an, dem anderen auszuweichen oder uns zu rechtfertigen. Wortreiche Rechtfertigungen wirken fast wie ein Schuldeingeständnis und können andere Menschen dazu einladen, noch eine Schippe drauf zu legen. Ausweichen ist zum einen nicht immer möglich, wenn es sich um Menschen aus meinem Umfeld handelt und nicht nur um zufällige Begegnungen. Vermeidungsverhalten kann zur Eskalation von Konflikten führen.

Wenn der Totstellreflex in uns aktiviert ist, fühlen wir uns sprachlos und blockiert. Unsere Wahrnehmung ist nach innen gerichtet: Wir konzentrieren uns auf zermarternde innere Selbstgespräche und körperliche Stresssymptome wie z.B. Rotwerden, flacher Atmung, Hitzewallungen, Tränen, die uns in die Augen steigen. Wir befürchten, dass andere unsere Unsicherheit bemerken könnten und versuchen, diese zu verbergen. Dadurch erhöhen wir unseren Druck. Alle drei Reaktionen blockieren den Zugang zu den eigenen Fähigkeiten und zu kreativen Antworten.

7 Tipps für mehr Schlagfertigkeit

1. Sich selbst akzeptieren

Unsere innere Haltung und äußere Wirkung stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Wenn ich zu mir stehe und es auch akzeptieren kann, dass ich manchmal sprachlos bin, wirke ich  äußerlich souverän und mache mich weniger angreifbar.

2. Haltung annehmen

Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung und halten Sie Ihren Kopf gerade, nicht seitlich geneigt. Nehmen Sie Blickkontakt auf, während Sie sprechen. Wenden Sie sich danach vom Gesprächspartner ab.  Achten Sie auf eine ruhige und feste Stimme. So gewinnen Sie  nach innen Sicherheit und wirken nach außen souverän. Ein „souveränes“ Schweigen hat übrigens auch seine Wirkung: Der Gesprächspartner hat es nicht geschafft, Sie zu verunsichern. Er läuft mit seinem Spruch ins Leere.

3. Einfach irgendetwas sagen

Sagen Sie irgendetwas, was nichts mit dem Thema zu tun hat und den anderen irritiert. Zum Beispiel:

  • „Ach was“, „so so“, „oha“
  • Irgendein Zitat, das Sie sich vorher schon überlegt und für solche Fälle gelernt haben
  • Irgendeine Aussage, die mit dem Thema nichts zu tun hat wie z.B. „Heute esse ich Spaghetti“
  • Ein unpassendes Sprichwort

4. Nachfragen und den Ball zurückspielen

Bitten Sie ihren Gesprächspartner, seine Aussage zu präzisieren. Ihr Gegenüber wird enttarnt  muss sich selbst erklären. Stellen Sie Fragen wie z.B.

  • „Wie meinen Sie das?“
  • „Können Sie mir das genauer erklären?“
  • „Was verstehen Sie unter …?“
  • „Was meinen Sie mit …?“

Bei massiven Angriffen darf die Fragestellung durchaus härter ausfallen:

  • „Warum sagen Sie das?“
  • „Wie bitte?“

5. Die eigene Betroffenheit äußern:

Ehrlichkeit und Offenheit wirken entwaffnend. Sagen Sie geradeheraus, wie Sie es empfinden.

  • „Das, was du gerade gesagt hast, trifft mich sehr!“
  • „Ich bin gerade sprachlos!“

6. Konfrontieren und um Sachlichkeit bitten:

  • Herr/Frau xy, Sie haben mich gerade beleidigt. Ich bitte um Fairness!
  • Herr/Frau xy, Sie haben gerade … gesagt. Ich bitte um Sachlichkeit!“
  • „Damit greifen Sie mich persönlich an. Bitte fair bleiben!“

7. Zu einem späteren Zeitpunkt das Gespräch suchen

Wenn Ihnen in der Situation nichts Passendes einfällt, lassen Sie sich bewusst Zeit und schlafen Sie eine Nacht drüber. Sprechen Sie Ihren Kollegen oder Vorgesetzten am nächsten Tag an und klären Sie das Ganze in Ruhe. Lesen Sie hierzu meinen Blog: https://hoevercoach.de/mensch-aergere-d…erger-strategien/

Zusammenfassung:

Souveränität ist eine Frage der inneren Einstellung. Schlagfertigkeit ist erlernbar. Es gibt einfache Techniken, die Sie in vielen Situationen anwenden können. Suchen Sie sich eine Technik heraus, die zu Ihnen passt und wenden Sie diese möglichst häufig in den unterschiedlichsten Alltagssituationen an. Schreiben Sie sich Ihre bevorzugte Reaktion dazu auf eine Karte und schauen Sie mehrmals täglich zur Erinnerung drauf.

Gisela Hövermann

Coach und Trainerin für effektive Kommunikation und Selbstwirksamkeit

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