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Opfer oder Gestalter? Du selbst bist deines Glückes Schmied! Zufriedenheit ist eine Frage der Entscheidung

In unserem Alltag empfinden wir uns oft als Opfer der Umstände: Es passieren Dinge, die auf uns einwirken und die wir uns nicht ausgesucht haben. Wir fühlen uns fremdbestimmt und glauben, dass wir bestimmte Erwartungen erfüllen müssen, um unseren Job gut zu machen, gute Eltern oder Partner zu sein, allgemein Anerkennung und Wertschätzung zu erhalten oder einfach nur dazu zu gehören. Diese Erwartungen glauben wir oft nicht zu erfüllen. Manchmal denken wir, dass die anderen mehr Glück und Erfolg haben als wir. Das nagt auf Dauer an unserem Selbstwertgefühl. Andauernde Unzufriedenheit macht krank. Zufriedenheit kann man lernen. Damit stärken wir unsere Widerstandskraft gegen Stress (Resilienz).

Warum sind wir unzufrieden?

Zufriedenheitsstudien zeigen, dass Wohlstand und Sicherheit nicht alles sind. Unsere Zufriedenheit hängt laut weltweiten Forschungen nur zu 1 bis max. 10 % von äußeren Umständen ab. Es spielt kaum eine Rolle, ob wir reich oder gesund sind. Menschen sind zufrieden, wenn sie im Vergleich zu anderen gut dastehen. Wir vergleichen uns mit anderen in unserer Umgebung und in unserer Altersgruppe und mit unseren Idealvorstellungen von einem glücklichen und erfolgreichen Leben. Bei einer großen Diskrepanz entsteht Unzufriedenheit. Und hierin liegt auch ein Lösungsansatz: Es lohnt sich, die eigenen Erwartungen einem Realitätscheck zu unterziehen. Was wir gern vergessen: Misserfolge und Fehler gehören auch zum Leben dazu. Bei realistischen Erwartungen beziehen wir Misserfolge und Fehler als Lern- und Entwicklungschance mit ein.

Kundenbewertungen - Zufriedenheit

Unsere innere Einstellung ist entscheidend

Christina Berg schreibt in ihrem Buch Zufriedenheit, dass unsere Persönlichkeit laut aktuellen Forschungen zu ca. 50% Einfluss auf unser Zufriedenheitserleben hat. Etwa 30 bis 37% werden den Genen zugeschrieben (der angeborene Optimist). Heute geht man davon aus, dass eine Persönlichkeit sich in jedem Alter verändern kann. Sogar im hohen Lebensalter von 70 Jahren können Menschen ihr Leben noch einmal komplett umstellen und ihre Lebenseinstellung verändern[i]. Persönlichkeitseigenschaften wie Extraversion und Gewissenhaftigkeit haben den größten Einfluss auf unser Zufriedenheitserleben. Wer extravertiert ist, geht offen auf Leute zu und erhält dadurch häufiger positives Feedback. Gewissenhafte Menschen können gut strukturieren und sich Strategien aneignen, um mit schwierigen Situationen klarzukommen. Extraversion ist eine Eigenschaft, die im Laufe des Lebens wohl eher stabil bleibt. Ein Einzelgänger wird nicht mehr zum Partylöwen, aber auch Introvertierte können befriedigende Beziehungen mit Menschen pflegen. Gewissenhaftigkeit hingegen entwickeln wir mit zunehmendem Alter. Diese Charaktereigenschaft beinhaltet die Fähigkeit, strukturiert vorzugehen, was in schwierigen Situationen ganz hilfreich sein kann.

Was verstehen wir eigentlich unter Glück?

Glück ist ein Zustand, den wir nicht erzwingen können. Glück entsteht immer dann, wenn wir nicht damit rechnen. Es ist ein kurzer Augenblick, der auch wieder vergeht. Zufriedenheit hingegen ist ein Zustand, der länger andauern kann. Wir sind zufrieden, wenn wir eine schwierige Situation bewältigt oder uns angestrengt haben. Zufriedenheit können wir aktiv lernen. Am Anfang steht eine Entscheidung: Wir wollen, dass es uns gut geht. Wir können lernen, positiv zu denken und zu fühlen.

Think Positive

Positiv denken heißt nicht, alles hinzunehmen

Positiv denken heißt nicht, alles durch die rosarote Brille zu sehen und unkritisch zu akzeptieren. Selbstzweifel und Traurigkeit können durchaus gut sein für unsere Persönlichkeitsentwicklung – solange wir in diesem Zustand nicht dauerhaft festhängen. Ständiges Hadern mit Dingen, die wir nicht ändern können, ist reine Energieverschwendung. Wir geraten in einen sich selbst verstärkenden Teufelskreis und verlieren den Blick für das Wesentliche. Wir vergessen förmlich unsere eigenen Fähigkeiten und Ressourcen, selbst Lösungen zu entwickeln. Nach der PSI-Theorie von Julius Kuhl aktivieren negative Emotionen bestimmte Netzwerke, die auf Fehlererkennung fokussiert sind (Objekterkennungssystem). Durch Gelassenheit und Zuversicht erreichen wir Zugang zu unserem Selbst (Extensionsgedächtnis). Mit anderen Worten entwickeln wir einen gesunden Menschenverstand und werden wieder selbstwirksam und selbstbewusst. Unsere Gedanken und Gefühle verändern auch unsere Gehirnstrukturen (Neuroplastizität). Negative Gedanken aktivieren andere Netzwerke als positive. Wir können lernen, durch bewusste positive Gedanken und Vorstellungen unser Belohnungssystem im Gehirn zu stärken.

Wie lerne ich Zufriedenheit?

Es gibt viele Möglichkeiten, Zufriedenheit zu lernen. Im Folgenden findest du ihr ein paar Übungen, die du alleine durchführen kannst. Es ist grundsätzlich hilfreich, die eigenen Gedanken hierzu aufzuschreiben oder jemandem zu erzählen. Auf diese Art und Weise wirken die Übungen intensiver, als wenn du sie nur denkst.

Bestandsaufnahme:

Schreibe alles auf, was dich in deiner jetzigen Situation sowohl zufrieden als auch unzufrieden macht. Beschreibe es konkret. Auf der einen Seite des Blattes stehen die Stress- und Frustauslöser, auf der anderen Seite die Auslöser für Freude, Spaß und Zufriedenheit. Würdige die schönen Dinge in deinem Leben und sortiere dann die Unzufriedenheitsmacher nach Machbarkeit.

Machbar oder nicht machbar?

Frage dich: Kann ich die Situation ändern oder nicht?

Wenn ja: Ändere sie! Was hält dich davon ab? Setze dir realistische Ziele und plane Schritt für Schritt, was du verändern willst.

Wenn nein: Es ist wie es ist! Lerne, die Situation zu akzeptieren und schließe deinen Frieden damit. Du bist okay so wie du bist. Auch wenn dir das passiert ist!

Schöne Momente vornehmen

Nimm dir bewusst drei schöne Momente vor, auf die du dich freust: Eine Viertelstunde ganz in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken und in die Luft starren, ein Plausch mit der Kollegin in der Pause, die Lieblingsmusik hören auf dem Weg zur Arbeit. Ein Glas Wein in netter Gesellschaft genießen, den Sonnenuntergang betrachten, im Wald spazieren gehen.

Erinnere dich am Abend vor dem Einschlafen, was du an diesem Tag für angenehme Erlebnisse hattest und worauf du dich am nächsten Tag schon freust.

An Erfolge erinnern

Wo hast du einmal eine schwierige Situation erfolgreich überstanden? Gehe in deiner Erinnerung ganz in diese Szene hinein und stell sie dir in allen Einzelheiten vor. Spüre in deinem Körper, wie sich das anfühlt. Übe gezielt, dich immer wieder an diese positiven Erlebnisse zu erinnern.

Dankbarkeit üben

Trage jeden Tag etwas in einen Kalender ein, wofür du dankbar bist. Sei es, dass jemand in deinem Arbeitsumfeld, in der Familie oder im Freundeskreis etwas für dich tut, was du als selbstverständlich genommen hast oder sei es, dass dir etwas Positives passiert ist.

Entspannungsübungen lernen

Regelmäßige Entspannungsübungen reduzieren Angst und Sorgen. Sie führen nach einiger Zeit zu einer positiven Grundeinstellung und mehr Selbstvertrauen. Hier helfen ganz unterschiedliche Methoden wie z.B. Meditationsübungen, autogenes Training, Fantasiereisen, progressive Muskelentspannung. Es kommt nicht auf die Methode an, sondern auf das regelmäßige Üben. Der Effekt stellt sich nach ein paar Monaten steuerbar ein. Anleitungen kannst du dir z.B. als MP3-Datei von der Homepage der Technikerkrankenkasse runterladen (www.tk.de).

Neue Wege entstehen beim gehen.

Regelmäßig bewegen

Durch Bewegung erhalten wir Energie zum Handeln und wir bauen Stresshormone im Körper ab. Wenn du dich regelmäßig bewegst, aktivierst du auch die Hirnregionen, die für positive Gefühle zuständig sind. Suche dir etwas, was dir Spaß bringt. Es geht hier nicht um Leistung.

Gisela Hövermann

Diplom-Psychologin

 

[i] Christina Berndt, Zufriedenheit, DTV-Verlag

 

 

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